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Informationen für Entscheider
Funktionierende Computerlabors an Schulen gehören (noch) zu den ruhigeren Räumen in den Schulgebäuden. Außer dem Informatikunterricht und der Computer AG finden sich nur selten Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer ein, um ihren Unterricht in der ungewohnten technisierten Umgebung abzuhalten.
Eigentlich sollte man von Pädagogen erwarten, daß diese sich im Rahmen ihrer Fächer fortbilden und die Auseinandersetzung mit neuen Inhalten, neuen Methoden oder neuen Medien sollte selbstverständlich sein.
Generell gibt es sehr viele Argumente, die für den Einsatz neuer Medien im alltäglichen pädagogischen Geschäft sprechen, allen voran die Aktualität. Gerade in Fächern aus dem Bereich Gesellschaftskunde kann das Internet den oftmals frustrierenden Umgang mit veralteten Schulbüchern ersparen und so das Motivationsniveau anheben. Der Unterricht steht auf diese Weise näher an der Lebenswirklichkeit der Schüler.
Der Computer als Lernmedium bietet die Möglichkeit eine bessere Abstimmung des Unterrichts um gezielt auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit einzelner Schüler einzuwirken. So erweisen sich Computer für leistungsschwächere Schüler als geduldige und beharrliche Trainer.
Ausgesuchte moderne Lernsoftware (von Cotec) kann sich auf die Geschwindigkeit des jeweiligen Schülers problemlos einstellen. Auch leistungsstarken Schülern kann mit den Ressourcen des Internets kurzfristig durch zusätzlichen Lernstoff geholfen werden.
Schüler können via E-Mail direkte Kontakte zu externen Experten oder fremdsprachigen Brieffreunden im Ausland aufbauen, Politiker befragen und mit Parnerschulen an internationalen Messprojekten teilnehmen. Das Internet bietet zudem eine optimale Plattform zur Veröffentlichung von Unterrichts-ergebnissen. Die Präsentation auf einer Webpage macht eine Aufgabenstellung zum Ernstfall: Gebüffelt und Geschrieben wird nicht für den Lehrer, der sich eine Aufgabe in 35facher Ausführung zu Gemüte führen muß, sondern für ein globales Publikum.
Materialien aus dem Netz können von höchster Authentizität sein und in ihrer Vielfalt helfen, ein Problemfeld aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Der Umgang mit didaktisch nicht aufbereitetem Unterrichtsmaterial stellt die Schüler vor neue Herausforderungen: Geschichte ist nicht mehr das einzige Fach, in dem mit Original-Dokumenten gearbeitet werden kann fast alles, was auf der Welt passiert, ist zeitnah im Web dokumentiert. Die Schule erhält die Chance, das aktuelle Geschehen als Unterrichtsanlaß zu nutzen. Besonders in höheren Klassen kann das multiperspektivische Vorgehen zu vertieften Erkenntnissen führen. Hinweise aus der Gedächtspsychologie machen deutlich, daß von den Schülern selbst erarbeitete Inhalte nachhaltiger verfügbar sind.
Die neuen Medien bieten zudem die Chance, lange kursierende Forderungen von biligualem oder fächerübergreifenden Unterricht endlich umzusetzen. Da ein Großteil des Informationsangebots im Web in englischer Sprache zur Verfügung steht, bietet sich zum Beispiel für das Fach Englisch zahlreiche Anlässe zu einer fächerübergreifenden Zusammenarbeit: Warum nicht den englischen Text aus dem Erdkundeunterricht mit in die Englischstunde nehmen?
Das häufigste Argument gegen den Computereinsatz an der Schule lautet: Der Umgang führt zur sozialer Isolation und Eigenbrödlertum. Wer einmal eine Doppelstunde im Computerraum verbracht hat, gewinnt allerdings einen ganz anderen Eindruck: Der Computer ist oftmals Anlaß zur Kommunikation. Die Schüler bedienen die Geräte in Partner- oder Gruppenarbeit, tauschen sich aus. Oft wird auch die Gefahr einer neuen Oberflächlichkeit beschworen, das Verbleichen der Inhalte zugunsten der multimedialen Präsentation. Dieser Gefahr kann man begegnen, indem man den Einsatz neuer Medien von ihrer Funktion im Unterricht abhängig macht. Bei aller Multimedialität wird ein Lehrer auch in Zukunft nicht um die Vermittlung eines verbindlichen Kernwissens herumkommen.
Das Bildungssystem muß die Schüler auf das Leben in der Informationsgesellschaft vorbereiten. Ohne die Auseinandersetzung mit der Realität der neuen Medien kann die Schule ihren Auftrag, die Schüler zu mündigen zu erziehen, nicht erfüllen.
Der momentane Rückenwind von Politik und Wirtschaft gibt Schulen die einmalige Chance, durch die Auseinandersetzung mit den neuen Medien den Unterricht zu bereichern. Die Lehrerinnen und Lehrer können die Situation nutzen, um ihr arg ramponiertes Außenbild aufzubessern: Sie sind eben nicht die faulen Säcke, als die sie einst von höchster Stelle gescholten wurden. Mit der fortschreitenden Hardwareausstattung der Schulen werden die technischen Voraussetzungen geschaffen, das Potenzial der neuen Medien für den Unterricht nutzbar zu machen möglichst bevor der bildungspolitische Elan wieder in einem Dornröschenschlaf versinkt.
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